Enkeltrick

Der Enkeltrick ist eine Betrugsmasche, bei der Kriminelle die Gutgläubigkeit älterer Menschen ausnutzen, indem sie sich als deren Enkel ausgeben. In diesem raffinierten Szenario spielen die Betrüger mit den Gefühlen von Vertrauen und Fürsorge, um ihre Opfer dazu zu bringen, Geld oder persönliche Informationen preiszugeben. Trotz zahlreicher Warnungen und Aufklärungskampagnen bleibt der Enkeltrick eine bedrohliche Herausforderung im Kampf gegen Betrugsdelikte, insbesondere in Bezug auf vulnerable Zielgruppen.

Inhalt

Was ist der “Enkeltrick”? 

Der Enkeltrick (oder auch “Neffentrick”) ist eine Betrugsmasche, bei der die Täter vorgeben, der Enkel oder ein naher Verwandter von älteren Menschen zu sein. Sie kontaktieren ihre Opfer oft telefonisch und schildern eine Notsituation, die dringend finanzielle Hilfe erfordert. Durch geschickte Gesprächsführung und emotionale Manipulation versuchen sie, die gutgläubigen Senioren dazu zu bewegen, Geld zu überweisen oder persönliche Informationen preiszugeben. Oft realisieren die Opfer erst später, dass sie einem Betrug zum Opfer gefallen sind. 

Wie läuft der “Enkeltrick” ab? 

Der Enkeltrick kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden, wobei das grundlegende Muster ähnlich bleibt. So funktioniert der Enkeltrick in der Regel: 

  1. Telefonischer Kontakt: Die Betrüger rufen die ältere Person an und geben vor, ein Enkel oder ein naher Verwandter zu sein. Sie nutzen oft soziale Netzwerke oder öffentliche Informationen, um sich über die Familie des Opfers zu informieren.  
  2. Vortäuschen einer Notsituation: Die Betrüger erfinden eine glaubwürdige Notsituation, wie zum Beispiel einen Unfall, einen Autodiebstahl oder eine finanzielle Notlage. Dadurch versuchen sie, emotionale Reaktionen hervorzurufen.  
  3. Appell an Vertrauen: Die Betrüger nutzen oft emotionale Appelle, um das Vertrauen der älteren Person zu gewinnen. Sie können beispielsweise sagen: „Bitte sag das Mama und Papa nicht, ich habe Angst vor Ärger.“  
  4. Drängen auf Geheimhaltung: Um Misstrauen zu vermeiden, fordern die Betrüger die ältere Person dazu auf, mit niemandem über die vermeintliche Notlage zu sprechen, insbesondere nicht mit anderen Familienmitgliedern. 
  5. Geldforderung: Schließlich bitten die Betrüger um finanzielle Hilfe, sei es für Arztkosten, Anwaltsgebühren oder andere vermeintlich dringende Ausgaben. Sie geben an, dass sie das Geld sofort benötigen.  
  6. Geldtransfer oder persönliche Informationen: Um die vermeintliche Notsituation zu lösen, überreden die Betrüger die ältere Person, Geld zu überweisen oder persönliche Informationen wie Bankdaten preiszugeben. 

Es ist wichtig zu betonen, dass tatsächliche Familienmitglieder oder Enkel niemals Geld oder persönliche Informationen auf diese Weise anfordern würden. Senioren sollten immer misstrauisch sein, insbesondere bei unerwarteten Anrufen mit finanziellen Forderungen. 

Enkeltrick

Was sind typische Beispiele für den “Enkeltrick”? 

Der Enkeltrick kann in verschiedenen Varianten auftreten, wobei das grundlegende Ziel immer darin besteht, ältere Menschen zu täuschen und finanzielle Gewinne zu erzielen. Hier sind einige Arten des Enkeltricks: 

  • Klassischer Enkeltrick: Ein Betrüger gibt sich am Telefon als Enkel oder naher Verwandter aus, der sich in einer Notsituation befindet und dringend finanzielle Hilfe benötigt. 
  • Der falsche Arzt oder Anwalt: Der Täter gibt vor, ein Arzt oder Anwalt zu sein und behauptet, dass der Enkel in einen Unfall oder rechtliche Schwierigkeiten verwickelt ist. Er fordert sofortige Zahlung für medizinische oder rechtliche Kosten.  
  • Gewinnversprechen: Der Täter gibt vor, dass das Opfer einen Lotteriepreis oder eine hohe Geldsumme gewonnen hat. Um den Gewinn zu erhalten, wird das Opfer jedoch aufgefordert, zunächst eine Gebühr zu zahlen.  
  • Falsche Handwerker: Der Täter behauptet, Handwerker zu sein, der dringende Reparaturen im Haus des Opfers durchführen muss. Er verlangt im Voraus Geld für angebliche Arbeiten, die nie stattfinden.  
  • Liebesbetrug: Der Täter gibt sich als neuer Lebenspartner des Enkels aus und behauptet, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. Das Opfer wird gebeten, Geld zu leihen, um angebliche Probleme zu lösen.  
  • Kombination: Nach einem klassischen Enkeltrick-Anruf setzen die Betrüger ihre Täuschung fort, indem sie sich bei einem erneuten Anruf als Beamte des Landeskriminalamts (LKA) ausgeben. Sie behaupten, den vorherigen Anruf des „Enkels“ abgefangen zu haben und planen, den Täter mit einer „fingierten Geldübergabe“ zu überführen. In diesem Stadium bitten sie die angerufene Person, ihr eigenes Vermögen für diese fingierte Geldübergabe bereitzustellen. In einer weiteren Entwicklungsstufe geben die Betrüger sich als angeblicher Staatsanwalt oder Richter aus und behaupten, dass der Angerufene sich strafbar gemacht habe, da er im Ausland eine Straftat finanziert habe.  

Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass der Enkeltrick in verschiedenen Formen auftreten kann. Insbesondere Senioren sollten skeptisch sein, wenn sie unerwartete Anrufe mit finanziellen Forderungen erhalten, und im Zweifelsfall andere Familienmitglieder oder Vertrauenspersonen um Rat fragen. 

Gibt es die Betrugsmasche nur telefonisch? 

Kurz gesagt: Nein! Neben telefonischen Betrügereien nutzen die Täter auch Messenger wie WhatsApp, um ihre Opfer finanziell zu schädigen. In ähnlicher Weise verfassen sie Nachrichten per SMS von unbekannten Nummern, beginnend mit Sätzen wie: „Hallo Mama, hallo Papa, mein Handy ist defekt, das ist meine neue Handynummer…“.  

Enkeltrick

Wie erkennt man den „Enkeltrick“? 

Den Enkeltrick zu erkennen erfordert Aufmerksamkeit und Skepsis, besonders bei unerwarteten Anrufen mit finanziellen Forderungen. Hier sind einige Anzeichen, die darauf hinweisen könnten, dass es sich um einen Enkeltrick handelt: 

  • Unvorhergesehener Anruf: Plötzliche Anrufe von vermeintlichen Familienmitgliedern, insbesondere in Notsituationen, sollten mit Vorsicht behandelt werden.  
  • Forderungen nach Geld: Betrüger nutzen oft emotionale Druckmittel und fordern sofortige finanzielle Hilfe an, sei es für Arztkosten, Anwaltsgebühren oder andere angebliche Notlagen.  
  • Ungewöhnliche Dringlichkeit: Betrüger erzeugen eine Atmosphäre der Dringlichkeit, um rationale Überlegungen zu verhindern. Sie könnten behaupten, dass sofortiges Handeln erforderlich ist, um schlimmere Konsequenzen zu verhindern.  
  • Fehlende persönliche Informationen: Echte Familienmitglieder würden in der Regel persönliche Informationen kennen. Wenn der Anrufer grundlegende Details nicht bestätigen kann, sollte das Misstrauen geweckt werden.  
  • Geheimhaltung: Betrüger fordern oft dazu auf, mit niemandem über die vermeintliche Notlage zu sprechen. Diese Geheimhaltung soll verhindern, dass andere Familienmitglieder die Täuschung aufdecken.  
  • Rückfragen stellen: Wenn Zweifel bestehen, sollte das Opfer Rückfragen stellen. Echte Familienmitglieder können oft persönliche Details liefern, die Betrüger nicht kennen.   

Im Zweifelsfall ist es ratsam, andere Familienmitglieder oder Vertrauenspersonen zu kontaktieren, um die Informationen zu überprüfen. Die Polizei sollte ebenfalls kontaktiert werden, um verdächtige Anrufe zu melden. 

Ist der “Enkeltrick” strafbar? 

Der Enkeltrick wird als besondere Form des Betruges nach § 263 StGB bestraft. Ein Betrug liegt vor, wenn es bei einer Person (sog. Opfer) aufgrund der Täuschung einer anderen Person (sog. Täter) zu einem (wirtschaftlichen) Schaden kommt. Dieser Straftatbestand schützt das Vermögen des Opfers.  

Der Betrug in seiner Grundform (§ 263 Abs. 1 StGB) erfordert einen Irrtum beim Geschädigten, der auf einer Täuschung durch den Täter beruht oder durch diesen aufrecht erhalten wird. Ferner muss der Geschädigte eine Vermögenverfügung treffen, die auf dem Irrtum beruht. Schließlich muss beim Opfer ein wirtschaftlicher Schaden eintreten. 

Der „einfache“ Betrug nach § 263 Abs. 1 StGB wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft.   

Eine Strafschärfung erfolgt hingegen nach § 263 Abs. 3 StGB. Dabei muss der Täter eines der in § 263 Abs. 3 StGB genannten „Regelbeispiele“ neben dem „einfachen“ Betrug verwirklichen. Es kann dann eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren verhängt werden. Eine Geldstrafe ist dann nicht möglich.   

Am häufigsten treten dabei beim Enkeltrick die Regelbeispiele des gewerbsmäßigen Betrugs und des Bandenbetrugs nach § 263 Abs. 3 Nr. 1 StGB auf.  

Von einer gewerbsmäßigen Begehungsweise spricht man, wenn sich der Täter durch eine fortgesetzte Begehung von betrügerischen Handlungen einen finanziellen Gewinn verschafft. Dieses Merkmal wird von der Staatsanwaltschaft häufig vorschnell angenommen, wenn sich mehrere Betrugstaten über einen längeren Zeitraum erstrecken.  

Ein Betrug als Mitglied einer Bande liegt vor, wenn sich mindestens drei Personen zusammenschließen, um zukünftig gemeinsam Straftaten zu begehen.  

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