Grooming

Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kann unterschiedliche Facetten haben. Hierzu gehören unter anderem auch die Methoden von Groomern. Was unter dem Grooming zu verstehen ist und welche Straftaten hierdurch verwirklicht werden können, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Inhalt

Was ist Grooming?

Unter Grooming versteht man die gezielte Kontaktaufnahme von Volljährigen mit Minderjährigen unter Missbrauchsabsicht – also mit sexuellen Absichten. Dabei erschleicht der Volljährige stufenweise das Vertrauen des Minderjährigen, insbesondere durch Schmeicheleien und Geschenken. Folgen können dann insbesondere die sexuelle Belästigung bzw. der sexuelle Missbrauch des Opfers, der Zwang zur Prostitution oder das Erstellen von pornographischen Inhalten sein.

Was ist Cyber-Grooming?

Cyber-Grooming liegt vor, wenn das “Grooming” im Internet betrieben wird. Das erfolgt in der Regel mittels Chats oder in den sozialen Medien.

Grooming

Was ist ein Groomer?

Ein Groomer ist diejenige Person, die gezielt Minderjährige mit Missbrauchsabsichten kontaktiert. Es handelt sich hier also um den „Täter“.

Was sind die verschiedenen Stufen des Groomings?

Zunächst versucht der Täter das Vertrauen des Minderjährigen zu gewinnen. Ist das einmal geschafft, wird der Minderjährige in verschiedenen Situationen bevorzugt und anschließend von seinem gewohnten Umfeld isoliert. Sodann wird eine Geheimhaltungsvereinbarung getroffen und letztendlich nach und nach (persönliche) Grenzen überschritten. Das findet dann beispielsweise Ausdruck in dem Zusenden von Nacktbildern oder dem Erbringen von sexuellen Handlungen durch das Opfer.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem englischen und dem deutschen Verständnis des Wortes „Grooming“?

„Grooming“ bedeutet sinnesgemäß „Anbahnung“ bzw. „zurechtmachen“ und „vorbereiten“. Im Englischen bezieht sich das Wort im Hinblick auf die Kontaktaufnahme mit sexuellen Absichten regelmäßig auf Voll- und Minderjährige. Dagegen bezieht sich das Wort „Grooming“ im Deutschen lediglich auf minderjährige Opfer – also Personen unter 18 Jahren.

Was sind typische Strategien für Groomer?

Es gibt viele verschiedene Praktiken und Strategien. Hier sind einige davon:

  • Durchsuchen von sozialen Medien, um emotional bedürftige Minderjährige zu finden
  • Schaffung von emotionaler Bindung sowie emotionaler Abhängigkeit
  • außergewöhnliche, beeindruckende Unternehmungen
  • Beziehung als „Geheimnis“ aufwerten = Verpflichtung zur Geheimhaltung
  • systematische Isolierung des Opfers von Familie und Freunden
  • Regelmäßige Gespräche über sexuelle Themen = Sensibilisierung für sexuelle Handlungen
  • vermeintlich unabsichtliche Berührungen an intimen Stellen des Opfers
  • sexuelle Übergriffe, sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung des Opfers

Grooming

Was gibt es für Groomer-Typen?

Es wird insbesondere zwischen „Loverboys“, Modelagenten bzw. Talentsucher und „Sugar-Groomer“ unterschieden.

Bei der Strategie des „Loverboys“ werden die Minderjährigen vom (in der Regel männlichen) Täter abhängig gemacht, indem eine Liebesbeziehung vorgetäuscht wird. Ist diese Liebesbeziehung gefestigt, so werden die Minderjährigen in der Regel zur Prostitution genötigt. Diese Methode wird vor allem mit Hilfe der sozialen Medien ausgeübt.

Eine weitere Methode, um Minderjährige gefügig zu machen, ist die Vortäuschung des Täters als Modelangent bzw. Talentsucher. Der Groomer verspricht dann dem Minderjährigen, diesen berühmt zu machen. Auch werden Minderjährige regelmäßig in Gaming-Portalen und Spiele-Chats von Grommern angeschrieben, die sich als professionelle Gamer ausgeben. Sie versprechen dann den Opfern, ihnen zu mehr Erfolg in Computerspielen zu verhelfen.

Ein „Sugar-Groomer“ verspricht hingegen den minderjährigen Opfern eine Belohnung (wie Geld oder Gutscheine) für bestimmte Gegenleistungen (wie das Zusenden von Nacktbildern).

Ist Grooming strafbar?

(Cyber-)Grooming kann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern nach § 176 StGB bzw. wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen nach § 182 StGB strafbar sein. In Betracht kommt auch eine Strafbarkeit wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt mit dem Kind nach § 176a StGB sowie wegen Zwangsprostitution nach § 232a StGB.

Sind die Groomer (Täter) etwa Familienmitglieder oder Lehrer, so besteht auch die Möglichkeit einer Strafbarkeit wegen des Missbrauchs von Schutzbefohlenen nach § 174 StGB.

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