Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht unterscheidet sich in vielen Details vom allgemeinen Strafverfahren. Es droht bei einer Verurteilung eine Stigmatisierung für den weiteren Lebensweg. Beim Jugendstrafrecht handelt es sich um ein Sonderstrafrecht und Sonderstrafprozessrecht, das speziell auf die Besonderheiten im Umgang mit jungen Beschuldigten ausgestaltet ist.

Jugendstrafrecht
Inhalt

Strafverteidigung im Jugendstrafrecht

Die wichtigste Regel lautet: Schweigen Sie zu den Tatvorwürfen. Bereits unüberlegte Äußerungen können zu einem Tatnachweis führen.

Wir sind eine bundesweit, ausschließlich im Strafrecht tätige Fachanwaltskanzlei mit Sitz in Leipzig. Häufig verteidigen wir gegen einen Tatvorwurf im Jugendstrafrecht bzw. verteidigen jugendliche Beschuldigte. Vertrauen Sie auf unsere langjährige Expertise und Erfahrung.

Wann kommt das Jugendstrafrecht zur Anwendung?

Ob Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt, ist von dem Alter des Beschuldigten zur Tatzeit abhängig. Unerheblich ist, ob der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Strafverfahrens schon erheblich älter oder gar erwachsen ist. Es gelten folgende Altersgrenzen:

  • Ist der Beschuldigte zwischen 14 und 18 Jahren alt, findet das Jugendstrafrecht immer Anwendung. Personen in dieser Altersgruppe bezeichnet man als „Jugendliche“ (§ 1 Abs. 2 JGG).
  • Im Alter zwischen 18 und 21 Jahren bezeichnet man den Beschuldigten als „Heranwachsenden“ (§ 1 Abs. 2 JGG). Heranwachsende geltend grundsätzlich als strafrechtlich voll verantwortlich. Es ist allerdings möglich, dass das Gericht noch Jugendstrafrecht anwendet. Dies ist im jeweiligen Einzelfall zu entscheiden und maßgeblich von der Reifeentwicklung des Beschuldigten abhängig sowie davon, ob es sich noch um eine sogenannte „jugendtypische Verfehlung“ handelt.
  • Auf Beschuldigte, die zum Zeitpunkt der Tat bereits älter als 21 Jahre alt waren, findet stets das Erwachsenenstrafrecht bzw. das „Allgemeine Strafrecht“ Anwendung – das Jugendstrafrecht nach dem JGG ist ausgeschlossen.

Welche Strafen können im Jugendstrafrecht verhängt werden?

Die Ausprägung des Jugendstrafrechts als Erziehungsstrafrecht, in dem nicht das Strafen, sondern die Erziehung des Jugendlichen im Vordergrund steht, unterscheidet es deutlich vom Erwachsenenstrafrecht. 

Während im Erwachsenenstrafrecht nur Geldstrafe und Freiheitsstrafe verhängt werden können, sind im Jugendstrafrecht variablere und flexiblere Rechtsfolgen möglich. 

Möglich sind: 

  • Erziehungsmaßregeln
  • Zuchtmitteln 
  • Jugendstrafe

Anwalt im Jugendstrafrecht: So helfen wir Ihnen!

Sie haben eine Vorladung, eine Anklage oder einen Strafbefehl erhalten? Gegen Sie ist ein Jugendstrafverfahren anhängig? Bei Ihnen hat eine Durchsuchung stattgefunden? Ein Freund oder Verwandter wurde verhaftet? Es steht eine Hauptverhandlung vor Gericht an oder Sie wollen gegen ein Urteil Berufung oder Revision einlegen?

Zögern Sie nicht, einen ausgewiesenen Anwalt für Strafrecht mit der Verteidigung im Jugendstrafverfahren zu beauftragen. Gerade zu Beginn eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens werden die notwendigen Weichen für einen positiven Verfahrensausgang gestellt.

Wir setzen uns für die Wahrung Ihrer Rechte als Beschuldigter ein. Wir erörtern mit Ihnen die Verfahrensakte und erarbeiten eine gemeinsame Verteidigungsstrategie. Dabei erhalten Sie stets eine realistische und vor allem ehrliche Einschätzung der Sachlage.

Die Strafverteidigung erfolgt sowohl in Leipzig wie auch bundesweit vor allen Staatsanwaltschaften und Gerichten. Selbstverständlich übernehmen wir auch Pflichtverteidigungen.


Schnelle Hilfe vom Anwalt

Pfaffendorfer Str. 25, 04105 Leipzig

Tabelle: Strafrechtliche Haftung und anwendbares Gesetz

 

Strafrechtliche Haftung 

Anwendbares Gesetz 

Kleinkinder 

0 – 6 Jahre 

Strafunmündigkeit  
(§ 19 StGB) 

 

 

– 

Kinder 

7 – 13 Jahre 

Strafunmündigkeit  
(§ 19 StGB) 

 

Jugendstrafrecht nach dem JGG 

Jugendliche 

14 – 17 Jahre 

bedingte Strafmündigkeit  
(§ 19 StGB, § 1 Abs. 2 JGG) 

Jugendstrafrecht nach dem JGG 

Heranwachsende 

18 – 20 Jahre 

volle Strafmündigkeit 
(§ 19 StGB, § 1 Abs. 2 JGG) 

aber: Sonderregeln hinsichtlich Strafen 

 

Jugendstrafrecht nach dem JGG  

oder 

Erwachsenenstrafrecht nach dem StGB 

Erwachsene 

ab 21 Jahren 

volle Strafmündigkeit 
(§ 19 StGB, § 1 Abs. 2 JGG) 

aber: verminderte oder volle Schuldunfähigkeit möglich (§§ 20, 21 StGB) 

 

Erwachsenenstrafrecht nach dem StGB 

Keine Strafbarkeit/Haftung

Bedingte Strafbarkeit/Haftung

Volle Strafbarkeit/Haftung

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Sie haben eine Anzeige oder Anklage erhalten? Scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir stehen Ihnen im gesamten Strafverfahren zur Seite. Vertrauen Sie auf unsere mehr als 12-jährige Erfahrung als Fachanwaltskanzlei für Strafrecht und Strafverteidiger.

Häufige Fragen

  • Was ist Jugendstrafrecht?

    Das Jugendstrafrecht ist als Erziehungsstrafrecht ein besonderes Verfahrensrecht. Hierbei steht nicht das Strafen, sondern die Erziehung des Jugendlichen, der eine Straftat begangen hat, im Vordergrund. Deshalb bietet das Jugendstrafrecht andere grundlegende Sanktionsmöglichkeiten als das Erwachsenenstrafrecht.

  • Wann wird Jugendstrafrecht angewendet?

    Das Jugendstrafrecht wird bei Tätern angewendet, die während der Tatzeit zwischen 14 und 18 Jahren alt waren (sog. Jugendliche). In Ausnahmefällen auch bis 21 Jahre (sog. Heranwachsende).

  • Warum gilt das Jugendstrafrecht bis 21?

    Grundsätzlich ist man ab 18 Jahren als Erwachsener einzustufen. Jedoch ist die Bestrafung nach dem Erwachsenenstrafrecht nicht in jedem Fall sachgemäß. Aufgrund der individuellen Reife ist daher bis zum 21. Lebensjahr eine Differenzierung vorzunehmen. Zu fragen ist hier, ob der Täter zum Tatzeitpunkt als “Jugendlicher” einzustufen ist. Argumente gegen eine solche Annahme kann die Abnabelung vom Elternhaus, eine unproblematische Schullaufbahn mit entsprechenden Abschlüssen und die von den Eltern unabhängige Zukunftsplanung sein.

  • Welche Besonderheiten gibt es im Jugendstrafrecht?

    Das Jugendstrafrecht kennt neben der Jugendstrafe (Haft) auch Jugendarrest sowie Erziehungsmaßregeln und Zuchtmittel als mildere Strafe.

  • Wie lange bleiben die Strafen als Jugendlicher im Führungszeugnis?

    Alle Entscheidungen werden im Erziehungsregister eingetragen (§§ 59 bis 64 BZRG). Was im Erziehungsregister steht, dürfen nur Strafgerichte, Staatsanwaltschaften, Vormundschaftsgerichte, Familiengerichte und Jugendämter einsehen. Jugendliche dürfen diese Eintragungen verschweigen – zum Beispiel wenn der Arbeitgeber danach fragt. Ausnahmen können gegenüber Gerichten und Behörden gelten.

    Grundsätzlich werden strafrechtliche Verurteilungen von Jugendlichen, Heranwachsenden und Erwachsenen im Bundeszentralregister (Führungszeugnis) eingetragen. Nicht im Führungszeugnis stehen insbesondere Erziehungsmaßregeln und Zuchtmittel, ein Schuldspruch nach § 27 JGG, Jugendstrafen bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, sofern diese zur Bewährung ausgesetzt und nicht widerrufen wurden und Verurteilungen zur Jugendstrafe, wenn der Strafmakel als beseitigt erklärt wurde (§ 97 JGG).

  • Was versteht man unter Jugendgerichtshilfe?

    Die Jugendgerichtshilfe unterstützt die Jugendlichen, indem sie im Strafverfahren die pädagogischen und sozialen Gesichtspunkte vertritt. Die Jugendgerichtshilfe darf im Strafverfahren mitwirken und Maßnahmen ergreifen. Sie hat das Recht im Strafverfahren anwesend zu sein und gehört zu werden. Darüber hinaus überprüft die Jugendgerichtshilfe das persönliche Umfeld des Täters. Hierdurch können im Strafverfahren die entsprechenden (passenden) Maßnahmen verhängt werden.

  • Was bedeutet die “schädliche Neigung” im Rahmen der Verhängung der Jugendstrafe?

    Schädliche Neigungen sind anlagebedingte Mängel (etwa durch Umwelteinflüsse oder Erziehung), die ohne eine Gesamterziehung zu weiteren, nicht nur gemeinlästigen Straftaten führen können. Diese Mängel müssen in der Regel schon vor der Tatbegehung vorliegen und sich gerade in der Tat verwirklicht haben.

  • Wo finden Strafverfahren des Jugendstrafrechts statt?

    Strafverfahren, die sich gegen Jugendliche oder Heranwachsende richten, finden grundsätzlich vor einem Jugendgericht statt. Besonderheit ist, dass Strafverfahren von Jugendlichen bis 18 Jahren nicht öffentlich sind.

  • Sind die Verhandlungen öffentlich?

    Jugendstrafverfahren sind nach § 48 JGG nicht öffentlich. Das gilt jedoch nur für Jugendliche, nicht hingegen für Heranwachsende. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Bestimmung des Alters des Täters ist die Tatzeit.

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