Berufsrechtliche Konsequenzen einer Verurteilung

Eine Verurteilung nach dem Strafrecht kann nicht nur erhebliche rechtliche, sondern auch berufsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Insbesondere für Berufsgruppen, die einer besonderen Vertrauensstellung unterliegen, wie beispielsweise Rechtsanwälte, Ärzte oder Lehrer, können die Auswirkungen einer strafrechtlichen Verurteilung gravierend sein. Im folgenden Beitrag lesen Sie alles Wichtige rund um mögliche berufsrechtliche Konsequenzen einer Verurteilung.

Autor

Tommy Kujus

Aktualisiert

Themen auf dieser Seite

    Das sagt das Gesetz:

Berufsrechtliche Folgen im Allgemeinen 

Unabhängig von der Branche oder dem Berufsfeld können strafrechtliche Verurteilungen in Deutschland zu berufsrechtlichen Konsequenzen führen. Die jeweiligen Berufskammern und -verbände haben in der Regel eigene Regelungen und Ethikkodizes, die das Verhalten ihrer Mitglieder regeln. Eine strafrechtliche Verurteilung kann gegen diese Regeln verstoßen und dementsprechende Maßnahmen nach sich ziehen. Das sind bespielsweise: 

  • Disziplinarische Maßnahmen (Verwarnung, Abmahnung, Verweis, Ausschluss, Entlassung) 
  • Berufs- bzw. Ausübungsverbot 
  • Aberkennung von Titeln 

Lehrer 

Lehrer stehen in einem besonderen Vertrauensverhältnis zu ihren Schülern und unterliegen daher einem strengen Berufsrecht. Eine strafrechtliche Verurteilung kann zur Folge haben, dass Sie Ihren Beruf als Lehrer nicht mehr ausüben dürfen. Dies kann durch disziplinarische Maßnahmen seitens der Schulaufsichtsbehörden oder durch die Versetzung in den Ruhestand aufgrund eines Dienstvergehens geschehen. 

Ist der Lehrer verbeamtet, so kann er wegen einer strafrechtlichen Verurteilung seinen Beamtenstatus nach § 24 BeamtStG (Beamtenstatusgesetz) verlieren. 

Berufsrechtliche Konsequenzen einer Verurteilung

Ärzte 

Ärzte unterliegen ebenfalls einem strengen Berufsrecht, das durch die Berufsordnung für Ärzte (Musterberufsordnung) sowie durch landesrechtliche Regelungen festgelegt ist. Eine strafrechtliche Verurteilung kann dazu führen, dass disziplinarische Maßnahmen seitens der Ärztekammer befürchten werden müssen. Dies kann von einer Verwarnung bis hin zum Entzug der Approbation reichen, was gleichbedeutend mit einem Berufsverbot ist. Ein Berufsverbot kann nach § 70 StGB ausgesprochen werden. 

Apotheker 

Apotheker sind für die ordnungsgemäße Abgabe von Arzneimitteln verantwortlich und unterliegen einem eigenen Berufsrecht. Strafrechtliche Verurteilungen, insbesondere im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz, können zur Aberkennung der Approbation führen. Ein Berufsverbot kann nach § 70 StGB ausgesprochen werden. 

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer 

Diese Berufsgruppen unterliegen ebenfalls strengen berufsrechtlichen Regelungen. Eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung oder anderer wirtschaftsstrafrechtlicher Delikte kann zur Aberkennung der Berufszulassung führen. 

Steuerberater können nach § 90 StBerG (Steuerberatergesetz) eine Verwarnung, ein Verweis, eine Geldbuße oder ein Berufsverbot bzw. -ausschluss erhalten. 

Rechtsanwälte 

Als Rechtsanwalt unterliegen Sie einem besonderen Berufsrecht, das durch die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) geregelt ist. Eine Verurteilung nach dem deutschen Strafrecht kann erhebliche Auswirkungen auf die Zulassung als Rechtsanwalt haben. Gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 2 BRAO kann die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft entzogen werden, wenn Sie wegen einer vorsätzlichen Straftat verurteilt wurden. 

Notare 

Als Amtsträger und Vertrauenspersonen bei der Beurkundung von Rechtsgeschäften sind Notare einem besonderen Berufsrecht unterworfen. Bei einer strafrechtlichen Verurteilung können sie ihr Amt nach § 49 BNotO (Bundesnotarordnung) i.V.m. § 24 BeamtStG (Beamtenstatusgesetz) verlieren. 

Richter und Staatsanwälte 

Diese Berufsgruppen sind Teil der Justiz und unterliegen einem strengen berufsrechtlichen Ethikkodex. Eine strafrechtliche Verurteilung kann ihre berufliche Integrität in Frage stellen und disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen. 

Das Dienstverhältnis von Richtern kann wegen einer strafrechtlichen Verurteilung nach § 24 DRiG (Deutsches Richtergesetz) beendet werden.  

Staatsanwälte sind verbeamtet (vgl. § 146 GVG – Gerichtverfassungsgesetz), sodass sie bei einer strafrechtlichen Verurteilung ihren Beamtenstatus nach § 24 BeamtStG (Beamtenstatusgesetz) verlieren können. 

Polizeibeamte 

Strafrechtliche Verurteilungen können bei Polizeibeamten zu disziplinarischen Maßnahmen führen, die von einer Verwarnung bis hin zur Entlassung reichen können. 

Polizisten sind verbeamtet, sodass sie bei einer strafrechtlichen Verurteilung ihren Beamtenstatus nach § 24 BeamtStG (Beamtenstatusgesetz) verlieren können.

Berufsrechtliche Konsequenzen einer Verurteilung

Fazit 

Abschließend ist festzuhalten, dass eine strafrechtliche Verurteilung erhebliche berufsrechtliche Konsequenzen haben kann, insbesondere für Berufsgruppen mit besonderen Vertrauensstellungen.  

Es ist weiterhin zu berücksichtigen, dass gemäß § 70 StGB (Strafgesetzbuch) unabhängig von einem Beruf, der einem besonderen Berufsrecht unterliegt, dem Täter bei einer strafrechtlichen Verurteilung ein Berufsverbot auferlegt werden kann. 

Es ist daher ratsam, sich im Falle einer strafrechtlichen Anklage frühzeitig rechtlichen Beistand zu suchen und die möglichen Auswirkungen auf den eigenen Berufszweig zu berücksichtigen. 

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