Diebstahl mit Waffen

Tommy Kujus
Tommy Kujus

Rechtsanwalt | Fachanwalt für Strafrecht

aktualisiert: 26. 10. 2022
Schnell kann ein „einfacher“ Diebstahl zu einem Diebstahl mit Waffen werden, der ein höheres Strafmaß nach sich zieht. In diesem Betrag erfahren Sie, unter welchen Voraussetzungen eine solche Tat strafbar ist.

Was ist ein „Diebstahl mit Waffen“? 

Das Gesetz sieht in dem § 244 StGB eine Strafschärfung vor, wenn ein Diebstahl nach § 242 StGB unter bestimmten Bedingungen erfolgt ist.  

Ein Diebstahl mit Waffen liegt vor, wenn der Täter den Diebstahl begeht unter Zuhilfenahme von Waffen, (gefährlichen) Werkzeugen oder Mitteln im Sinne des § 244 StGB. 

Wann ist ein „Diebstahl mit Waffen“ strafbar? 

Der Straftatbestand schützt das Eigentum des Opfers. Um sich wegen eines Diebstahls mit Waffen nach § 244 Abs. 1 Nr. 1 StGB strafbar zu machen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein. 

Grundtatbestand: Diebstahl 

Der Täter muss einen Diebstahl im Sinne des § 242 StGB verwirklichen. 

Qualifikation: § 244 StGB 

Der Täter oder ein anderer Beteiligter muss bei diesem Diebstahl eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich geführt haben (Nr. 1) oder sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich geführt haben, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden (Nr. 2). Zu der Kategorie „Waffen“ zählt neben den Waffen im klassischen Sinne („Schusswaffen“) auch (funktionsfähige) Gas- und Schreckschusspistolen.  

Gefährliche Werkzeuge sind „waffenähnliche“ Gegenstände, die nach ihrer Art der Verwendung und objektiven Beschaffenheit im konkreten Fall dazu geeignet sind, erhebliche Verletzungen herbeizuführen. Hierzu zählen unter anderem (Spring-)Messer, Schlagstöcke, Schlagringe, Knüppel, Baseballschläger, Eisenstangen, Schraubenzieher, Hammer, Elektroschocker und Kampfhunde. 

Sonstige Werkzeuge oder Mittel sind insbesondere Gegenstände des täglichen Lebens, wie Klebeband zum Fesseln, Kabelstücke oder Schlafmittel und sog. „Scheinwaffen“ – also nicht funktionsfähige oder nicht einsatzbereite Waffen – sowie ungeladene Schreckschusspistolen, Spielzeugpistolen bzw. echt aussehende Waffen.  

Der Täter muss bei dem Diebstahl einen solchen Gegenstand bei sich geführt haben. Das liegt vor, wenn dem Täter bei der Ausführung seiner Tat der Gegenstand zur Verfügung steht. Das heißt, dass sich der Gegenstand in räumlicher Nähe zum Täter befinden muss, sodass er während der Tat jederzeit darauf zugreifen kann. Es ist jedoch auch ausreichend, wenn ein solcher Gegenstand die Tatbeute ist. 

Hat der Täter sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich, so ist er nur strafbar, wenn dieser Gegenstand dazu dient, möglichen Personenwiderstand – beispielsweise durch das Opfer – zu verhindern oder zu überwinden. 

Trägt der Täter während der Tatausführung aus beruflichen Gründen eine Waffe (sog. „berufsmäßiger Waffenträger“ oder „Berufswaffenträger“), so ist dies für eine verschärfte Strafbarkeit ausreichend, auch wenn der Täter die Waffe nicht wegen dem Diebstahl, sondern nur aus Dienstgründen getragen hat. 

Derartige Täter sind insbesondere Polizisten, Soldaten oder Wachmänner. Es gibt jedoch einige Verteidigungsmöglichkeiten, da die Betroffenen regelmäßig nicht bedenken, dass sie ihre Dienstwaffe während der Tat tragen, sodass es am Vorsatz des Täters fehlen kann.   

Polizei

Vorsatz 

Der Täter muss den Diebstahl mit Waffen vorsätzlich begangen haben. Er muss diesen also mit Wissen und Wollen verwirklicht haben. Hierbei ist ausreichend, dass der Täter den Straftatbestand billigend in Kauf genommen und zumindest für möglich gehalten hat (sog. Eventualvorsatz).  

Der Täter muss insbesondere Kenntnis von dem Gegenstand bzw. den Willen zur Verhinderung oder Überwindung von Widerständen gehabt haben. Ansonsten besteht die Möglichkeit einer Strafbarkeit wegen eines „einfachen“ Diebstahl nach § 242 StGB. 

Versuch 

Der Versuch ist nach § 244 Abs. 2 StGB strafbar. Ein Versuch liegt bereits dann vor, wenn der Täter nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar angesetzt hat (§ 22 StGB). Hierfür muss der Täter die Schwelle zum „Jetzt-geht’s-los“ überschritten haben und es muss unmittelbar eine Rechtsgutsgefährdung bevorstehen. Das liegt dann vor, wenn der Täter zur Wegnahme der Sache angesetzt hat. Zudem muss der Täter mit dem Entschluss zur Tat, also vorsätzlich gehandelt haben. 

Strafantrag 

Bei dem Diebstahl mit Waffen handelt es sich um ein sogenanntes Offizialdelikt. Das bedeutet, dass eine solche Straftat durch die Strafverfolgungsbehörde (Staatsanwaltschaft) bei Kenntniserlangung von Amts wegen verfolgt wird. Ein Antrag durch den Geschädigten oder dessen gesetzlichen Vertreter ist daher nicht erforderlich. 

Strafe  

Der Diebstahl mit Waffen wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. In minder schweren Fällen – abhängig von den Umständen des Einzelfalls – beträgt die Freiheitsstrafe drei Monate bis zu fünf Jahren, vgl. § 244 Abs. 3 StGB. Eine Geldstrafe ist nicht möglich. 

Inhalt

(1) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer
1.  einen Diebstahl begeht, bei dem er oder ein anderer Beteiligter
a) eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
b) sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden,
2.  als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds stiehlt oder
3. einen Diebstahl begeht, bei dem er zur Ausführung der Tat in eine Wohnung einbricht, einsteigt, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsmäßigen Öffnung bestimmten Werkzeug eindringt oder sich in der Wohnung verborgen hält.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 Nummer 1 bis 3 ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

(4) Betrifft der Wohnungseinbruchdiebstahl nach Absatz 1 Nummer 3 eine dauerhaft genutzte Privatwohnung, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

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