Gefährliche Körperverletzung

Inhalt

(1) Wer die Körperverletzung
1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,
4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung
begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Was ist eine „gefährliche Körperverletzung“?

Die gefährliche Körperverletzung setzt eine einfache Körperverletzung voraus und bildet einen sogenannten Qualifikationstatbestand. Liegt eine der Nummern des ersten Absatzes von § 224 StGB vor, erhöht sich die angedrohte Strafe auf von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Gemäß § 224 Absatz 2 StGB ist auch die versuchte Tat strafbar.

Wann ist eine „gefährliche Körperverletzung“ strafbar?

Ob ein Tatmittel oder eine bestimmte Begehungsweise in den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung fällt, ist manchmal nicht leicht zu bestimmen. Einige Beispiele sollen die im Gesetz beschriebenen Fallgruppen veranschaulichen.

Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen (Nr. 1)

Nach § 224 Abs. 1 Nr. 1 StGB liegt eine gefährliche Körperverletzung vor, wenn die Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder anderen gefährlichen Stoffen begangen wird.

Als Gift werden Stoffe bezeichnet, die durch ihre chemisch oder chemisch-physikalische Wirkung die Gesundheit des Menschen im konkreten Fall erheblich schädigen.

  • Gifte wie Arsen oder Zyankali
  • starke Medikamente wie Schlafmittel
  • Haushaltsstoffe in Überdosen (etwa Zucker, Kochsalz), auch Alkohol
  • Säuren (etwa Salzsäure)
  • Beibringung mechanisch wirkender Stoffe (z.B. Glasscherben)
  • Beibringung thermisch wirkender Stoffe (heißes Wasser, Kaffee)

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Waffe oder gefährliches Werkzeug (Nr. 2)

Nach § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB liegt eine gefährliche Körperverletzung vor, wenn die Körperverletzung mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeuges erfolgt.

Als Waffe wird ein Gegenstand bezeichnet, der dazu bestimmt ist, einem Menschen erhebliche Verletzungen zuzufügen, indem er auf den Körper einwirkt. Darunter fallen alle bekannten Waffen wie Pistolen, Gewehre, Messer, Schwerter oder Granaten.

Gefährliche Werkzeuge sind Gegenstände, die aufgrund ihrer objektiven Beschaffenheit und der konkreten Art ihrer Verwendung dazu geeignet sind, erhebliche Verletzungen zu verursachen. Dies führt dazu, dass auch ganz normale Haushaltsgegenstände wegen der konkreten Art ihrer Verwendung zu einem gefährlichen werden.

Beispiele sind:

  • Schraubenzieher
  • Autos
  • angespitzte Bleistifte
  • Pfefferspray

Auch ein Schuh kann ein gefährliches Werkzeug sein, wenn es sich zum Beispiel um einen Stiefel oder Stahlkappenschuh (Arbeitsschutzschuh, Springersteifel) handelt. Gleiches geht für die Spitze von Stöckelschuhen. Unter gewissen Umständen ist die Eigenschaft als gefährliches Werkzeug selbst für Turnschuhe anerkannt.

Körperverletzung

Keine gefährlichen Werkzeuge sind hingegen:

  • Körperteile wie Arme oder Hände. Die Gliedmaßen eines geschulten Kampfsportlers können zwar eine „waffengleiche“ Wirkung erzielen, sind aber keine gefährlichen Werkzeuge.
  • Industrie-Schredder
  • Das Schlagen eines Kopfes gegen eine Wand, macht die Wand nicht zu einem gefährlichen Werkzeug

Hinterlistiger Überfall (Nr. 3)

Eine gefährliche Körperverletzung liegt ebenfalls vor, wenn die Körperverletzung mittels eines hinterlistigen Überfalls erfolgt.

Als hinterlistigen Überfall bezeichnet man einen Angriff, der planmäßig unter Verdeckung der wahren Absichten ausgeführt wird, sodass sich der Angegriffene nicht wehren kann. Das heimliche Verabreichen von Betäubungsmitteln kann einen hinterlistigen Überfall darstellen

Mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich (Nr. 4)

Eine der häufigsten Form der gefährlichen Körperverletzung ist in § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB aufgeführt. Hiernach begeht jemand eine gefährliche Körperverletzung, wenn die Körperverletzung mit einem anderen gemeinschaftlich erfolgt.

Für eine gemeinschaftliche Begehung der Körperverletzung reicht es aus, dass mindestens zwei Personen am Tatort einvernehmlich zusammenwirken. Dabei ist es nicht erforderlich, dass auch beide die Körperverletzung begehen. Allein durch das gemeinsame Erscheinen mehrerer Personen besteht eine erhöhte Gefahr, die von den Beteiligten ausgeht und die einfache Körperverletzung qualifiziert. Schlägt also jemand zu und der andere feuert ihn dabei an, begeht man unter Umständen eine gemeinschaftliche Körperverletzung und damit eine gefährliche Körperverletzung.

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Lebensgefährdende Behandlung (Nr. 5)

Letztlich liegt eine gefährliche Körperverletzung vor, wenn die Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung erfolgt.

Das Merkmal der lebensgefährdenden Behandlung ist oft gleichzeitig mit anderen Fallgruppen verwirklicht. Es reicht aus, dass durch die Körperverletzungshandlung eine abstrakte Lebensgefahr hervorgerufen wird. Dabei muss nach objektiven Maßstäben für einen umsichtigen Menschen erkennbar sein, dass von der Körperverletzungshandlung eine Lebensgefahr ausgeht.

Beispiele sind:

  • Werfen aus einem schnell fahrenden Auto
  • Schlagen des Kopfes gegen eine Wand
  • Anfahren mit einem Auto
  • Werfen in eiskaltes Wasser
  • mehrfaches Einstechen mit einem Messer in den Brustbereich
  • langes Würgen
  • Infizieren mit HIV

Strafe

Die Straftat wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren geahndet. In minder schweren Fällen folgt Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. 

Auch der Versuch dieser Straftat ist strafbar, wobei die Strafe in diesen Fällen in aller Regel gemildert wird.

Tommy Kujus
Tommy Kujus

Tommy Kujus ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht. Er ist Inhaber der Kanzlei KUJUS Strafverteidigung

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(1) Wer die Körperverletzung
1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,
4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung
begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

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