Schwere Brandstiftung

Inhalt

(1) Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird bestraft, wer
1. ein Gebäude, ein Schiff, eine Hütte oder eine andere Räumlichkeit, die der Wohnung von Menschen dient,
2. eine Kirche oder ein anderes der Religionsausübung dienendes Gebäude oder
3. eine Räumlichkeit, die zeitweise dem Aufenthalt von Menschen dient, zu einer Zeit, in der Menschen sich dort aufzuhalten pflegen,
in Brand setzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine in § 306 Abs. 1 Nr. 1 bis 6 bezeichnete Sache in Brand setzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört und dadurch einen anderen Menschen in die Gefahr einer Gesundheitsschädigung bringt.

(3) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Was ist „schwere Brandstiftung“?

Eine schwere Brandstiftung nach § 306a StGB liegt vor, wenn der Täter vorsätzlich oder fahrlässig eine abstrakte Gefahr für das Leib und Leben eines Menschen schafft (Absatz 1) oder konkret einen Menschen gefährdet (Absatz 2).

Wann ist eine „schwere Brandstiftung“ strafbar?

Eine schwere Brandstiftung kann auf zwei verschiedene Arten verwirklicht werden.

Nach dem Absatz 1 dieses Gesetzes, wenn der Täter die aufgezählten Gegenstände in Brand setzt oder durch Brandlegung ganz oder teilweise zerstört. Dieses Delikt ähnelt sehr der „einfachen“ Brandstiftung nach § 306 StGB. Die schwere Brandstiftung ist nach § 306a StGB aber mit höherer Strafe bedroht, da die aufgezählten Tatobjekte typischerweise dem Aufenthalt von Menschen dienen. Folglich wird hier die abstrakte Gefahr, einen Menschen an dessen Leib oder Leben zu gefährden, unter höherer Strafe gestellt. Zu beachten ist, dass das Tatobjekt nicht fremd sein muss. Das Delikt kann also auch verwirklicht werden, wenn der Täter seine eigene Sache anzündet, die unter § 306a StGB fällt.

Zuweilen kann es problematisch sein, wenn das Tatobjekt nicht nur zu Wohnzwecken genutzt wird, sondern auch zu gewerblichen Zwecken.

Schwere Brandstiftung

Gefährdet der Täter jedoch konkret eine andere Person hinsichtlich dessen Gesundheit bzw. Leben durch eine Brandstiftung an einem Tatobjekt im Sinne des § 306 StGB, so liegt ebenfalls eine schwere Brandstiftung, jedoch nach § 306a Abs. 2 StGB, vor. Es kann sich hierbei um eine täterfremde oder tätereigene Sache handeln. Eine konkrete Gefährdung des Opfers liegt dabei vor, wenn eine Gefährlichkeit besteht, die über die innewohnende Gefahr hinaus geht und folglich eine so starke Beeinträchtigung besteht, dass es nur noch vom Zufall abhängt, ob das Opfer verletzt wird oder nicht.

Zu beachten ist, dass eine rechtfertigende Einwilligung durch den Eigentümer des Tatobjekts nicht möglich ist, da über Leib und Leben nicht verfügt werden kann, sodass eine Strafbarkeit des Täter (trotz Einwilligung) nicht entfallen würde.

Vorsatz

Der Täter muss auch diese Brandstiftung vorsätzlich begangen, also billigend in Kauf genommen und zumindest für möglich gehalten haben (sog. Eventualvorsatz).

Handelt der Täter jedoch nur fahrlässig, also lässt er „nur“ die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht, so liegt eine fahrlässige Brandstiftung nach § 306d Abs. 1 StGB vor.

Versuch

Auch hier ist der Versuch der vorsätzlichen schweren Brandstiftung nach §§ 306a, 23 Abs. 1, 12 Abs. 1 StGB strafbar.

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Strafe

Die Strafe für eine schwere Brandstiftung nach § 306a Abs. 1 oder Abs. 2 StGB sieht eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr (bis zu fünfzehn Jahren) vor. Auch hier kann eine Strafmilderung gem. § 306a Abs. 3 StGB erfolgen, wonach die Freiheitsstrafe sechs Monate bis zu fünf Jahren betragen kann.

Eine fahrlässige Brandstiftung nach § 306d Abs. 1 StGB wird hingegen mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wird hingegen die Gefährdung eines anderen Menschen nach § 306 Abs. 2 StGB fahrlässig herbeigeführt und die Gefahr auch fahrlässig verursacht, so wird nach § 306d Abs. 2 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

 

Tommy Kujus
Tommy Kujus

Tommy Kujus ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht. Er ist Inhaber der Kanzlei KUJUS Strafverteidigung

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(1) Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird bestraft, wer
1. ein Gebäude, ein Schiff, eine Hütte oder eine andere Räumlichkeit, die der Wohnung von Menschen dient,
2. eine Kirche oder ein anderes der Religionsausübung dienendes Gebäude oder
3. eine Räumlichkeit, die zeitweise dem Aufenthalt von Menschen dient, zu einer Zeit, in der Menschen sich dort aufzuhalten pflegen,
in Brand setzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine in § 306 Abs. 1 Nr. 1 bis 6 bezeichnete Sache in Brand setzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört und dadurch einen anderen Menschen in die Gefahr einer Gesundheitsschädigung bringt.

(3) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

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